Frohe Weihnachten aus Playa!

Heute habe ich einen Spaziergang gemacht und ein paar Weihnachtsimpressionen in Playa festgehalten.Frohe Weihnachten!

Diese Krippenszene aus Sand beindruckt am Faehrhafen.

Diese Krippenszene aus Sand beindruckt am Faehrhafen.

 

 

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Das ist mal was anderes als so ’ne olle Sandburg!

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Dieser Weihnachtsbaum schmueckt den Platz vor dem Palacio Municipal. Die Krippenszene beinhaltet sogar einen Pferd und einen Elefanten!

Dieser Weihnachtsbaum schmueckt unsere neue Prachteinkaufsmeile "Alegria".

Dieser Weihnachtsbaum schmueckt unsere neue Prachteinkaufsmeile „Alegria“.

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Pupsende Prinzen und: Wie der kleine George Alexander Louis meine innere Feministin ans Licht bringt

So. Nun haben wir also einen neuen kleinen Prinzen in England. Heissahopsa! Nicht nur sollten wir uns fuer die gluecklichen Eltern freuen, wir sollten auch dankbar sein, dass wir nun ein neues Smalltalk Thema haben. Und eben jenes Thema diskutierte ich kuerzlich mit meiner Mama waehrend einer unserer Skype-Sitzungen.

Dabei brachte ich meine Bedenken darueber zum Ausdruck, welch ein Druck nun auf dem armen jungen Paar laste. Wenn man sich die vielen Photos ansieht, sehen sie doch eigentlich aus wie ganz normale glueckliche Eltern – nur ein wenig huebscher und auffallend gut gekleidet. Werden wir jemals Milchsabber auf Kates Seidenbluse sehen? Oder ihr zerzaustes Haar, weil der kleine George entdeckt hat, wie froh es macht, an anderer Leute Haaren zu ziehen? Wird der kleine Prinz in der Oeffentlichkeit pupsen und ein Baeuerchen machen? Oder haben Mitglieder des Koenigshauses ganz andere Koerperfunktionen als wir normal Sterblichen? Das sind wichtige Fragen, die ich mir stellen muss.

Es wuerde doch Stoff fuer eine heitere Anekdote hergeben, wenn William und Kate ihren kleinen Sohn zu einem glanzvollen Galadinner mitnaehmen und mitten in einer wichtigen Rede pupst der kleine George seine Windel voll. Oder kraeht laut: „Mami, wer ist denn dieser haessliche fette Mann da drueben?“ Werden Prinzen und Prinzessinnen bereits wohlerzogen geboren? Ach nein, natuerlich nicht, wie dumm von mir. Schliesslich wissen wir alle, dass auch Prince Charles es faustdick hinter den Ohren hat.

 

Wird die Presse nach dunklen Augenringen in Kates Gesicht suchen? Wird sie Kates Gewichtsverlust nach der Geburt dokumentieren?

Es kann doch keinen Spass machen, dem Koenigshaus anzugehoeren, oder? Deswegen habe ich meinen Traum, Prinzessin zu werden, auch mit …aehm… 32 begraben. Aber man stelle sich mal vor, dass fuer Kate dieser Traum (so es denn jemals einer war) Wirklichkeit geworden ist. Aber schliesslich ist sie auch besonders huebsch, und es ist allgemein bekannt, dass die huebschesten Maedchen immer die Prinzen bekommen.

Prinz George Alexander Louis zu Ehren sozusagen habe ich einige Maerchen in letzter Zeit gelesen, und so wimmelte mein Alltag nur so von Prinzen und Prinzessinnen. Ich hoffe, dass sich mittlerweile die Zeiten geaendert haben. Schenkt man naemlich Hans Christian Andersen und anderen Maerchenerzaehlern Glauben, dann kam frueher so ein Koenig dahergeritten, sah das (zumeist weinende) huebsche Maedchen, hob sie auf sein Pferd, brachte sie auf sein Schloss und machte sie zur Koenigin. Bum.

Mit diesem Bild wachsen Maedchen und Jungen auf. Das einzige, das Maedchen in diesen Geschichten sein muessen, ist huebsch. Und ich kann mich daran erinnern, dass diese Vorstellung tatsaechlich mein Weltbild gepraegt hat. Nun sollte man wissen, dass ich ein grauenvoll eitles Individuum bin. Was auch sein Gutes hat, sonst wuerde ich mich naemlich von frueh bis spaet mit Kuchen vollstopfen. Waere ich weniger eitel, wenn sich Maerchen mehr auf andere weibliche Qualitaeten konzentriert haetten? Oder sind Maedchen einfach von Natur aus und generell eitel?

Wenn ich frueher einfach nicht aufhoeren wollte zu weinen, sagte meine Mutter gern zu mir: „Du siehst so haesslich aus, wenn du weinst, du solltest wirklich damit aufhoeren.“ Tja, da hatte ich das Dilemma – meine Eitelkeit wollte mir nun das Weinen verbieten, meine Sturheit daran festhalten. Immerhin war ich offensichtlich sturer als ich eitel war, und so fuhr ich mit dem Weinen fort, dieses Mal nur heftiger. Ausserdem vermutete ich bereits, dass meine Mama mich austricksen wollte, denn schliesslich werden die Prinzessinnen im Maerchen immer nur huebscher wenn sie weinen. Die herabfallenden Traenen sehen immer aus wie Diamanten auf ihren seidenen Roben, und wenn er es bisher nicht getan hat, dann ist spaetestens dies der Zeitpunkt, da der Prinz sich in das Maedchen verlieben muss. Und sie natuerlich auf der Stelle heiratet. (Meine Mutter hatte allerdings damals recht, ich gehoere naemlich nicht zu denen, die huebscher werden, wenn sie weinen. Ich sehe dann eher aus wie ein aufgegangener Hefeteig. Ein verquollenes, rotnasiges Unglueck bin ich dann. Kein Heiratsmaterial fuer Prinzen.) Ich finde es hoechst interessant, dass meine Mutter glaubte, dieser Trick koenne wirken, und ich bin mir sicher, sie hat das nie bei meinem Bruder ausprobiert.

Genauso tendiere auch ich dazu, Maedchen Komplimente zu ihrem Aussehen zu machen, und auch ich wuerde nie einen Jungen so behandeln. Das ist doch schrecklich, oder? Sollte unsere Generation nicht schlauer sein? Erziehen wir noch immer kleine Prinzessinnen und stehen damit wahrer Emanzipation im Wege? Mal ehrlich, da gibt es so viele grossartige Frauen auf der Welt, die wahre Vorbilder sind, und mir faellt immer noch nichts Besseres ein als zu sagen, wie huebsch ein Maedchen ist?

Nun, ich gelobe Besserung. Darum werde ich nun meinem kleinen Sohn einen Kuss geben und ihm sagen, wie huebsch er ist. Obwohl… In der heutigen Zeit kriegt vermutlich der emanzipierte gutaussehende Junge die Prinzessin. Und nein, bitte, ich moechte nicht Schwiegermutter einer Prinzessin werden!

Und dann kriegt man vielleicht noch nicht einmal ein lecker, lecker Mittagessen!

Wie ich mitten in der Nacht in meinem Nachthemd unter einem Schirm in unserem Garten landete

Waehrend in Deutschland die Leute abwechselnd ueber Hitze und Kaelte stoehnen und weite Bereiche von Ueberflutungen heimgesucht wurden, hat bei uns knallfall die Regenzeit eingesetzt.

Wie jedes Jahr habe ich mich auch dieses Mal wieder ueber die ersten grauen Tage gefreut, die mich immer so herbstlich stimmen. Endlich mag man es sich auf dem Sofa gemuetlich machen, ein gutes Buch vor der Nase, eine Tasse heisse Schokolade in der Hand und ein schlummerndes Baby auf dem Schoss – ja, so hatte ich mir das vorgestellt. Und wenn ich die Klimaanlage eingeschaltet lasse, dann kann ich mir sogar selbst vorgaukeln, dass nun bald Weihnachten sei. Das mag den wenigsten ein verlockender Gedanke erscheinen, aber ich bin einfach nicht geschaffen fuer diesen ewigen Sommer! Ich vermisse den Wechsel der Jahreszeiten.

Und so war ich hoechst zufrieden, als der erste grosse Regen einsetzte. Bis ich unsere Haustuer oeffnete und feststellte, dass dort das Wasser bereits so hoch stand, dass nur noch Millimeter fehlten, bis es zur Tuer hereinfliessen wuerde. Daher stellten wir schon einmal vorsorglich unsere Moebel auf Mini-Stelzen, was mich ein wenig an St. Peter Ording erinnerte. Ist ja auch nicht das Schlechteste. Vor die Tuer kam ein dickes Handtuch – die erste Gefahr schien abgewendet. Abgesehen von dem Wasser, dass durch das Dach hereinkam, aber daran sind wir schon gewoehnt, das gehoert eben zu den Vorzuegen eines mexikanischen Neubaus.

She does look like a princess, doesn't she?

Sieht sie nicht aus wie eine echte Prinzessin?

Ein Familienmitglied allerdings wird sich wohl nie an Wasser gewoehnen: Unser Hund, das Fraeulein P. Mancher mag sich daran erinnern, dass ich seinerzeit Fraeulein P. auf der Strasse auflas. Nun koennte man meinen, dass so ein Strassenhund ja wohl Regen gewohnt sein sollte. Aber das arme Fraeulein P. war wer weiss wie lange irgendwo festgebunden gewesen, so dass sie vor dem Regen nicht fluechten konnte, und somit hat sie eine grosse Abneigung gegen Wasser. Oder vielleicht ist sie auch nur eine echte Prinzessin. Jedenfalls setzt sie keine Pfote vor die Tuer, wenn es auch nur nieselt. Und so lange wir ihr nicht beibringen, unser Badezimmer zu benutzen, wird das wohl auch immer ein Problem bleiben.

Just den Morgen hatten wir einen Termin, zu dem wir sie mitnehmen wollten, doch es bestand auch nicht die allerkleinste Hoffnung, dass Fraeulein P. durch das Wasser zur Garage waten wuerde. Stattdessen zog Herr R. Schuhe, Struempfe und Hemd aus, krempelte seine Hosen hoch und trug unseren Hund, wie man das mit Prinzessinnen so macht, zum Auto. Und ich tat dasselbe mit unserem Sproessling, mit dem Unterschied, dass ich meine Bluse anliess. Aber was soll ich sagen? Wir sahen nicht annaehernd so sexy aus wie die Leute im Fernsehen in solchen Situationen.

In der Nacht dann weckte mich Fraeulein P., weil sie hinaus wollte. Offensichtlich hatte sie den Regen vergessen, doch als ich ihr die Tuer oeffnete, sah sie mich hoechst vorwurfsvoll an und weigerte sich, auch nur einen Schritt in den Garten zu machen. Also nahm ich einen Schirm und einen Hundekeks (die guten Schokoladenkekse, die mag sie besonders gern!) und ging selbst nach draussen. Schade, dass niemand da war, um ein Photo zu machen: Da kauerte ich mitten in der Nacht in meinem Nachthemd unter einem Schirm in unserem Garten, gab vor, an einem Hundekeks zu schnueffeln, und machte dabei mmmhm-Laute, nur um meinen Hund zum Pinkeln zu bewegen. Endlich tat Fraeulein P., was sie tun sollte, und wir gingen wieder zu Bett.

Fancy a swim?

Moechte jemand schwimmen?

Als wir am naechsten Morgen aufstanden, stand das gesamte Erdgeschoss unter Wasser. All unsere Moebel mussten wir verruecken (Waere es nicht mal eine gute Geschaeftsidee, alle Moebel auf Rollen zu bauen?), um darunter das Wasser wegwischen zu koennen, alle Schraenke waren vollgelaufen und mussten leergeraeumt werden, alle Koffer und Kisten standen im Wasser und mussten ebenfalls ausgeraeumt werden… Guten Morgen! Herr R. und ich liefen herum in Pyjama und Nachthemd, das Haar noch nachtwirr, und versuchten, den Schaden so gering wie moeglich zu halten. Eben einer dieser glamouroesen Momente, die einem das Leben manchmal ganz unverhofft schenkt. Und dann erst wurden wir des Zustandes unseres Gartens gewahr! D.h. mit Garten war nicht mehr viel, unser Haus stand stattdessen in der Mitte eines schlammigen Sees. Das Poolwasser war schwarz, und Froesche hopsten darum herum. Kein Witz.

Ich hielt einen Moment inne und fragte mich, ob das wirklich gerade passierte. Sicherlich traeumte ich. Oder war in der Truman Show gelandet. Dann weinte unser Junior oben, und ich eilte die Treppen empor – und schwups, da rutschte ich auf den nassen Fliesen aus, denn das Wasser tropfte mittlerweile nicht mehr nur durch das Dach, sondern kam auch durch die Tuer zur Dachterrasse hereingestuerzt. Und das Treppenhaus hatte sich in einen malerischen kleinen Wasserfall verwandelt. Ach, die Bauherren hatten aber auch an alles gedacht in diesem Haus! Nun war mein Haar noch immer nachtwirr, und zudem war nun mein Nachthemd durchnaesst und mein Knoechel geschwollen und blau. Mein Papa haette frueher an dieser Stelle gesagt: „Bis du heiratest, hast du es vergessen.“ Nun bin ich schon verheiratet, aber ich denke, ich werde das alles vergessen haben, bis ich in das nette Seniorenheim in Florida ziehe.

Als das Erdgeschoss einigermassen trocken war, begann ich, oben das Wasser aufzuwischen. Da jedoch der Regen nicht aufhoeren wollte und Junior einen aussergewoehnlich hungrigen Tag hatte, schien es beinahe, als sei das eine Aufgabe, die ich nie bewaeltigen wuerde. Aber ich tat es doch. Ha.

Am naechsten Tag schien die Sonne wieder. Wir beseitigten die Stelzen unter den Moebeln, die Handtuecher vor allen Tueren, der Pooljunge kam und reinigte den Pool, und fast glaubten wir wirklich an einen Traum – haetten uns nicht die eifrig quaktenden Froesche im Pool an unser kleines Abenteuer erinnert!

Some amorous frogs in our pool.

Sehr verliebte Froesche in unserem Pool.

Wenn mich daher besorgte Freunde oder Familienmitglieder fragen, ob unser Leben hier langweilig sei, so muss ich verneinen. Nein, langweilig wird es nie.

Sprachprobleme? Superpapa hilft!

Oft beinhaltet das Leben als Expat auch das Erlernen einer neuen Sprache, und wir alle haben unterschiedliche Lernmuster. Waehrend meiner Ausbildung zur Sprachlehrerin lernte ich, dass es drei verschiedene Lerntypen gibt: Manche beobachten und belauschen sich selbst ueberaus kritisch (wir gebrauchten den Begriff „Sprachfilter“), d.h. bevor sie ueberhaupt den Mund aufmachen, ueberlegen sie sich ganz genau, was sie sagen wollen, um ja keinen Fehler zu machen. Dabei konzentrieren sie sich auf die richtige Satzstruktur, die richtige Grammatik und natuerlich auf die richtigen Vokabeln. Sind sie sich ihrer Sache nicht 100%ig sicher, sagen sie lieber gar nichts. Leider falle ich auch unter diese Kategorie, und, wenn ich das mal sagen darf, es bringt einen nicht gerade weiter. Manchmal stehe ich jemandem gegenueber und platze beinahe, weil ich etwas sagen moechte, und trotzdem nicke oder schuettele ich nur bloede den Kopf, weil mein Gehirn vollauf damit beschaeftigt ist, die richtige Zeit zu bestimmen. Ist die Gefahr Gelegenheit einer Konversation verstrichen, meine ich, nun endlich die Antwort zu wissen und denke daran, was fuer eine schlaue Bemerkung das doch gewesen waere. Stattdessen muessen alle denken, ich sei schrecklich langweilig oder desinteressiert. Oder ich haette meine Zunge verschluckt. Es ist wirklich armselig. Was allerdings immer hilft, ist ein Glas Wein – das verwandelt den unnachgiebigen Filter sozusagen in einen Weichzeichner.

So geschehen den einen Abend in Madrid: Ich hatte dort einen Feriensprachkurs belegt, um mein Spanisch aufzubessern. Meine Klasse bestand aus einem Schotten, einem Iren, einem Englaender, einer Kanadierin und einem kichernden Chinesen, der einen Fetisch fuer grosse Nasen hatte, wofuer ich ihm immens dankbar war, machte er mich doch als einziger Mensch auf der ganzen Welt glauben, dass ich mit einem winzigen Stupsnaeschen gesegnet sei. Aber ich schweife ab. Was ich sagen wollte, war, dass wir, von den Unterrichtseinheiten abgesehen, kaum Spanisch redeten, und so fuehlte ich mich noch immer sehr schuechtern in Gegenwart meines grossen Bruders, der in Madrid lebte und natuerlich die Sprache nahezu perfekt beherrschte. Doch weise wie mein Bruder ist, fuehrte er mich abends zum Tanzen aus und sah zu, dass ich gleich mit einem Glas Wein versorgt wurde – Donnerknispel, da sprach ich mit einem Male fliessend Spanisch! Also, lieber Ueber-Benutzer des verflixten Sprachfilters: Hoch die Tassen! Und ja, das ist endlich eine perfekte Ausrede fuer jeden Expat, sich ab und an einen anzusaeuseln.

Es sei denn natuerlich, man gehoert zu den verbleibenden zwei Kategorien: Da gibt es naemlich jene, die zwar ihren Filter einschalten, jedoch keine Angst vor Fehlern haben – ganz klar die erstrebenswerte Gruppe. Aber auch die langweiligste, die keinen Stoff zum Schreiben liefert. Und dann gibt es die, die einfach furchtlos drauflos reden. Herr R. gehoert in diese Kategorie, und obgleich ich es anfangs natuerlich recht unterhaltsam fand, ihm zuzuhoeren, als er ohne jegliche Sprachkenntnisse in Mexiko ankam und dennoch mit jedem einen kleinen Schwatz hielt, so habe ich ihn doch vor allem um diesen Mut bewundert. Und Tatsache ist, dass jeder irgendwie versteht, und das ist ja die Hauptsache, oder?!

Jemand, der noch unter diese Kategorie faellt, ist mein Papa. Im Alter von sechs Jahren zog er mit seiner Familie nach Lettland, ohne ein Wort Lettisch zu sprechen. Das provozierte sicher, und der Aermste wurde auf dem Schulhof staendig tuechtig verpruegelt, doch gluecklicherweise lernte er die Sprache sehr schnell. Zurueck in Deutschland im Alter von 18 sprach er nun allerdings kein Deutsch mehr, doch erneut dauerte es nicht lange, bis er auch diese Sprache wieder fliessend sprechen konnte. Diese Erfahrungen haben sicher dazu beigetragen, dass er sich ueberall verstaendlich machen kann und keine Angst vor Fehlern hat. Er kann einfach mit JEDEM reden. So bekam ich hier eine Unterhaltung zwischen ihm und den Gaertner mit. Da mein Papa sich taeglich fleissig im Garten betaetigte, wollte er den Gaertnern sagen, sie braeuchten kein Laub zu harken oder Buesche zu trimmen, stattdessen sollten sie lediglich den Rasen maehen. Wie sagt man das aber nun, wenn man kein Wort Spanisch spricht? Ich wuerde natuerlich als erstes das Woerterbuch konsultieren, doch mein Vater sagte schlichtweg: „No, no, nix clean – cut!“, und dabei fuchtelte er wild und eindrucksvoll mit den Armen, deutete hierhin und dorthin, und die Gaertner nickten und verstanden.

Das Gleiche geschah mit dem Pooljungen. Da standen sie, mein Papa und der Pooljunge, und plauderten wie alte Freunde. Mein Vater mixte munter deutsche, englische und spanische Woerter wie „si“ und „claro“ durcheinander, und alles war klar. Tatsaechlich waren die Arbeiter von meinem Papa so angetan, dass sie von nun an nichts mehr ohne seine Einwilligung tun wollten, und es war sehr deutlich, dass sie mehr Zutrauen in sein Urteil hatten als in meines.

Mein Papa haette in dieser Situation keinen Dolmetscher benoetigt, das ist sicher!

Das alles ueberraschte mich jedoch nicht, denn spaetestens seit dem einen Weihnachtsfest wusste ich, dass mein Vater sich mit jedem verstaendigen konnte: Die Schwester meiner Schwaegerin aus Madrid war zu Besuch, und da sie fleissig Deutsch lernte, bemuehten wir uns sehr, langsam und deutlich  mit ihr zu sprechen. Um also eine Konversation in Gang zu setzen, fragte ich sie hoeflich, ob ihre Eltern schon jemals in Deutschland gewesen seien. Que? „Waren deine Eltern schon einmal in Deutschland?“ Que? Da verlor mein Vater seine Geduld und rief: „Mama – Papa – Alemania – eh?“, und bei „eh“ warf er seine Arme auf mediterrane Art in die Luft, und L. strahlte ihn an und verneinte, woraufhin mein Vater mich triumphierend ansah und bemerkte: „Na, bitte, ist doch gar nicht so schwer!“ Recht hat er!

Einflussreichste Menschen, heute: Der Taxifahrer

Kuerzlich musste ich ein Taxi nehmen und machte Bekanntschaft mit Henry, einem mexikanischen Taxifahrer / Sandwich Shop Besitzer, der – ich traute meinen Ohren nicht! – bis vor Kurzem noch in Seattle lebte, bevor er zurueck nach Mexiko zog, um dichter bei seiner Familie zu sein. So ein Zufall!

An dieser voellig unerwarteten und wirklich netten Ueberraschung freute ich mich noch lange, und so dachte ich an all die Taxifahrer, die ich ueber die Jahre getroffen habe, und daran, wie ein offensichtlich ganz unwichtiges zufaelliges Zusammentreffen doch den Ton fuer den ganzen Tag setzen kann.

 
Taxi Driver

Ich meine, wenn man Robert de Niro als Taxifahrer haette, wuerde das den Tag nicht erheblich beeinflussen?! (Photo credit: Wikipedia)

In meinem frueheren Job musste ich fast taeglich mit dem Taxi zum Flughafen fahren, und so kann ich mit Fug und Recht behaupten, schon vielen Taxifahrern begegnet zu sein, mit denen ich einige ueberraschend anregende Gespraeche fuehrte – genauso wie viele voellig bedeutungslose! (Gluecklicherweise kamen die meisten meiner Arbeitsplaetze mit einer Schlecht-Wetter-Garantie, weswegen ich nie lange ueber ein Smalltalk Thema gruebeln musste.) Eine ganze Zeitlang versuchte ich, wann immer ich einen besonders netten Fahrer traf, ihn zu meinem regelmaessigen Fahrer zu machen. Manchmal allerdings funktionierte das nicht so, wie ich es mir vorstellte…
 
Da gab es z.B. A. Wie auch ich war er ein sehr kunstinteressierter Mensch, und so hatten wir immer jede Menge Gespraechsstoff. Nach einer Weile brachte mir A. Fruehstueck mit, wenn ich einen besonders fruehen Flug hatte, und obgleich das natuerlich sehr lieb gemeint war, fuehlte es sich doch falsch an – schliesslich war ich doch diejenige, die ihn bezahlte!  Und dann eines Abends, als er mich vom Flughafen abholte, ueberraschte er mich mit Theaterkarten und war natuerlich schrecklich beleidigt, als ich freundlich ablehnte, so dass ich unser Arrangement beenden musste. Ja, und so trennte ich mich von meinem Lieblings-Taxifahrer, schade war das!

Etwas Aehnliches passierte mir mit Taxifahrer F. Eines Abends holte er mich nicht mit dem Taxi, sondern seinem Privatwagen vom Flughafen ab. Es handelte sich um seinen freien Abend, dennoch wollte er mich gern abholen, Geld allerdings mochte er dafuer nicht annehmen. Nun war ich natuerlich im Zugzwang, und daher lud ich ihn auf ein Bier in eine Bar ein, wo ich ihm von meinem damals inexistenten Freund vorschwaermte – das war ein toller Typ, kann ich Ihnen sagen! (Ich musste ihn fuer Herrn R. abservieren, der natuerlich ein noch tollerer Typ ist!) Muessig zu erwaehnen, dass es auch zwischen F. und mir aus war…

Nach diesen Zwischenfaellen war ich kuriert, und so traute ich mich nicht, P. zu fragen, ob er mich regelmaessig fahren wuerde. Und das war eine Schande, den P. war voller unterhaltsamer Geschichten, wie ich erfahren sollte, als er mich, wie der Zufall es wollte, mehrmals fuhr. Nie werde ich die Geschichte vergessen, die er mir auf unserer ersten gemeinsamen Fahrt erzaehlte: Er verbrachte mit einem Freund ein Wochenende auf dessen Segelboot, und zu diesem Anlass hatten die beiden ihren eigenen Schnaps kreiert – sie hatten einfach ein paar Handvoll Lakritzbonbons in Wodka aufgeloest, fertig war der Lakritzschnaps! Einige Boote weiter erspaehten die beiden zwei Damen, die sie prompt auf einen Drink einluden. Nach mehreren Flaschen Wein und Bier sollte es nun zum Abschluss einen Lakritzschnaps geben. Auf dem Rueckweg zu ihrem Boot verloren die beiden angesaeuselten Damen ihre Balance und plumpsten ins Wasser, woraufhin die beiden Maenner zu ihrer Rettung hinzusprangen. Um weiteres Unglueck zu vermeiden, boten die beiden Herren den Damen gallant ihren Arm, um sie sicher zum Boot zu geleiten. Allerdings mussten die vier so lachen, dass sie doch pardauz wieder im Wasser landeten! P. schwor Stein und Bein, dass sich dieses naechtliche Baden noch viermal wiederholte, bevor die Damen endlich sicher auf ihrem Boot ankamen. Ich fand das recht unterhaltsam und musste F. versprechen, sein Rezept fuer Lakritzschnaps auszuprobieren. Habe ich bisher nicht getan, aber wer weiss, vielleicht eines Tages!

In Salzburg war es, dass ich den vielleicht freundlichsten Taxifahrer aller Zeiten traf. Mein Meeting am Flughafen war so rechtzeitig vorbei, dass ich es noch zu einem kleinen Einkaufsbummel in die Innenstadt schaffte. Und so nahm ich mir rasch ein Taxi und hatte Glueck: Die Schicht des Taxifahrers war gerade zu Ende, und er bot sich an, mit mir eine kostenlose Stadtrundfahrt zu machen! Und obgleich natuerlich Salzburg eine sehr huebsche Stadt ist, koennte er doch auch massgeblich dazu beitragen, dass ich diese Stadt in so guter Erinnerung habe.

In Istanbul schien mir jeder Taxifahrer ein heimlicher Rennfahrer zu sein. Ich bemuehte mich, ganz cool zu sein (immerhin waren doch wir es, die die Autobahn erfunden haben!), aber es ist schwer, cool zu wirken, wenn man seine Augen mit den Haenden verdeckt. Und so war ich sehr froh, als ich einmal auf einen aelteren Taxifahrer stiess, der es weniger eilig hatte und ich somit endlich die Moeglichkeit bekam zu sehen, wohin wir fuhren!

Die drolligste Begebenheit jedoch ereignete sich in Norwegen. Ich reiste mit meiner Lieblingskollegin L., und wir waren angereist, um ein Training in einer Tagungsanlage zu geben, die augenscheinlich mitten in der Pampas lag. Am Morgen orderten wir ein Taxi, bevor wir uns am Hotelfruehstueck labten. Zur vereinbarten Zeit jedoch war kein Taxi zu sehen. Wir warteten noch ein Weilchen und wandten uns dann an die Dame am Empfang. Froehlich verkuendete sie, dass das Taxi sehr wohl gekommen sei und der Fahrer gehupt habe, aber als niemand herauskam, sei er wieder abgefahren. Gern rufe sie uns wieder ein Taxi, ob wir bitte an der Tuer warten wollten dieses Mal. Die Minuten vergingen, und wir wurden zunehmend nervoeser. Nachdem wir bereits 45 Minuten Verspaetung hatten, bildeten sich langsam Schweissperlen auf unserer Stirn, und unser Laecheln gefror ein wenig. Endlich war das Taxi da, und wir eilten nach draussen, schmissen unsere Taschen und uns selbst ins Wageninnere und baten den Fahrer, ordentlich auf das Gaspedal zu treten. Das tat er auch folgsam und stoppte aber beinahe sofort wieder. L. und ich sahen uns an. Offensichtlich waren norwegische Taxifahrer nicht unsere Freunde. Doch der Taxifahrer stieg aus, oeffnete uns die Tuer und deutete auf den Eingang der Tagungsstaette! Wir hatten ja keine Ahnung gehabt, dass diese sich um die Ecke, also ich meine wortwoertlich: um die Ecke befand! L. und ich bekamen Bauchweh vom vielen Lachen, und wir bekamen uns den ganzen Tag nicht wieder ein, und so mancher Schulungsteilnehmer mag abends in sein Tagebuch geschrieben haben: „Habe gerade die lustigste und merkwuerdigste Schulung hinter mir. Die Trainerinnen waren voellig gaga.“

Und – in letzter Zeit Taxi gefahren?

English: Coco-taxi driver, Vedado, Havana, Cub...

Diese kleinen suessen Taxen allein koennten Grund fuer eine Kuba-Reise sein. (Photo Credit: Wikipedia)

Urlaubszeit ist Beschwerdezeit!

Ich wuenschte, ich koennte sagen: „Es herrscht Touristensaison an der Riviera Maya“, aber natuerlich ist hier immer Touristensaison. Da ich jedoch momentan Besuch von meinen Eltern habe, hat sich mein Tagesablauf ein wenig geaendert, und manchmal kann ich dem Rummel nicht entgehen.

Wie ich bereits sagte und wie ich es auch wieder sagen werde: Touristen sind ein sonderbares Voelkchen. Und ja, ich bin mir dessen bewusst, dass ich ebenfalls ein Tourist bin, wenn ich reise, und vermutlich verwandele ich mich auch in eine noch merkwuerdigere Version meiner Person. Derzeit jedoch bin ich nur Zuschauer, und es gelingt den Touristen immer wieder, mich zu verblueffen.

Wenn man so manche Konversation aufschnappt, hat man den Eindruck, dass manche Leute mit nur einem einzigen Motiv hierherkommen: Sich zu beschweren. Gluecklicherweise gibt es eine Vielzahl von Dingen, die dieses Vorhaben deutlich erleichtern:

So viele wundervolle Gruende, sich zu beschweren!

So viele wundervolle Gruende, sich zu beschweren!

Das Wetter. Wer einen Trip nach Cancun und Umgebung plant, kann ja wohl erwarten, dass das Wetter seinen Vorstellungen entspricht. Zu vieler Leute Erstaunen weist das Wetter jedoch ab und an Maengel auf. Fuer manchen ist es zu bewoelkt. Oder zu sonnig. Fuer andere zu boeig. Oder zu heiss. Oder zu kalt. Oder zu feucht. Oder zu grau. Oder zu grell. Das mag vielleicht manchem wie eine Kleinigkeit anmuten, in Wirklichkeit ist das aber ein grosses Thema, und viele Touristen erwarten einen saftigen Preisnachlass als Entschaedigung.  Ist ja auch eine Frechheit.

Das Essen. Viele trifft es als Schock: Das Essen anderswo schmeckt nie wie zu Hause. Viele koennen hier sehr ungehalten reagieren, wenn sie nicht den TexMex Frass vorgesetzt bekommen, auf den sie sich gefreut haben. In diesem Teil Mexikos wird eher karibisch gekocht, was nichts mit dem gemein hat, was man in mexikanischen Fast Food Laeden noerdlich der Grenze bekommt. Man kann koestliche Fischgerichte (und natuerlich auch Fleisch) bestellen, zubereitet mit Limettensaft, Koriander, Kokos, Chili und Minze. Natuerlich gibt es auch Tacos-Laeden, doch viele Touristen (vorwiegend Amerikaner, fuerchte ich) beschweren sich, dass die Mexikaner dort keine Ahnung haben, wie mexikanische Tacos & Co. sein sollen. Klingt irgendwie plausibel.

Ein karibischer Snack. Nicht ganz das, was man in Fast Food Laeden bekommt.

Ein karibischer Snack. Nicht ganz das, was man in Fast Food Laeden bekommt.

Und wo wir schon beim Essen sind: Ein weiterer beliebter Grund, sich die Urlaubsstimmung so richtig verhageln zu lassen, ist die ewig lauernde Gefahr einer Lebensmittelvergiftung. Das servierte Essen wird stets mit hoechstem Misstrauen beaeugt und manchmal beschnueffelt. Es ist natuerlich voellig unmoeglich, dass ein Magen-Darm-Virus die US-mexikanische Grenze passieren kann. Oder dass einem Kind 5 Milkshakes am Pool nicht bekommen. Wird man in Mexiko krank, so kann man sich ganz sicher sein, dass es sich um eine Lebensmittelvergiftung handelt. Keine Ahnung, wie wir armen Expats ueberhaupt ueberleben koennen.

Auch Tiere sind ein beliebter Grund fuer Beschwerden. Warum raeuchert aber auch niemand mal den Dschungel aus? Das Leben waere eindeutig schooner ohne Muecken & ihre Freunde. Und gaebe es nicht die bloeden Krokodile, koennten wir auch mal in einer Lagune baden. Die Tierwelt ist nicht nur gefaehrlich, sondern v.a. auch hoechst laestig.

Auch andere Touristen erweisen sich als staendige Plage. Egal wieviele Liegestuehle bereitstehen, man kann sicher sein, dass irgendwo zwei Familien ueber einen in Streit geraten. Wenn man Glueck hat, kann man einem Boxkampf beiwohnen.

Und dann gibt es natuerlich diese verflixten Kinder. Mal im Ernst, wer laesst ueberhaupt all diese Familien raus? Es sollte Familien grundsaetzlich untersagt sein, Urlaub zu machen, schliesslich ist das ganze Familienleben schon ein einziger Urlaub. Ferien sind ausschliesslich fuer Erwachsene da. Punkt. Wie soll man sich schliesslich darauf konzentrieren, missmutig zu sein, wenn man staendig von spielenden Kindern abgelenkt wird?

"Horseplay That Causes Accidents is Sabot...

Genau: Wer Schabernack treibt, ist ein Saboteur! (Photo credit: Wikipedia)

 

Sprachpatzer (oder: Wie ich meinen Bruder in einen Schlumpf verwandelte)

Wenn man ein neues Leben in einem fremden Land beginnt, kann das vieles sein: ein bisschen unheimlich, aufregend, einschuechternd, aber vor allen Dingen auch hoechst amuesant, naemlich dann, wenn man offensichtlich die merkwuerdigsten Dinge in der neuen Sprache von sich gibt und damit die arme Umwelt voellig verwirrt.

Vor etwa einem Jahr habe ich schon einmal ueber meine groessten Sprach-Patzer geschrieben, ueber die ich noch immer lache.  Natuerlich und gluecklicherweise haben sich meine Sprachkenntnisse seither verbesert, aber manchmal vermisse ich solch unfreiwillig komische Situationen. Umso mehr erheitern sie mich, wenn sie ab und an doch noch passieren (und ich es bemerke).

Smurf

Darf ich vorstellen: Mein Bruder. (Photo credit: momono)

Wie z.B. bei meinem letzten Friseurtermin. Nach bald zwei Jahren ist eine Art Freundschaft zwischen meiner Friseurin und mir entstanden, und wir teilen viel Privates miteinander. Immer wieder fragt mich Ixchel ueber meine Familie aus und will ganz genau wissen, wie jeder aussieht. Fuer sie sind wir hoechst exotisch, und besonders meine rothaarige, sehr hellhaeutige Grossmutter hat es ihr angetan. Nun wollte ich ihr von meinem Bruder erzaehlen, der etwas dunklere Haut hat, was auf Spanisch „piel morena“ heisst. Statt „morena“ sagte ich jedoch „morada“, was sich beinahe schon komisch auf meiner Zunge anfuehlte, aber ich war mir nicht sicher, was gerade schiefgelaufen war. Ixchel brach in Gelaechter aus, Traenen kullerten ihr ueber die Wangen, und die fast waere die Arme wohl erstickt. Als sie endlich wieder Atem holen konnte, deutete sie auf meine lila Tasche und keuchte: „DAS ist morena!“ Da hatte ich also mal so mir nichts, dir nichts meinen armen Bruder zu einer modernen, naemlich lila Version eines Schlumpfes gemacht! Vielleicht sollte ich ihm eine Schlumpfmuetze zum Geburtstag schenken…

Als Lehrerin muss ich mich freilich mehr zusammenreissen, wenn meinen Schuelern solche Fehler unterlaufen. Wie kuerzlich, als einer meiner Englisch-Schueler aus einem „important man“ (also einem wichtigen Mann) einen „impotent man“ machte. Ich kniff mir ordentlich in die Handflaechen, um nicht loszuprusten. Oder ein anderer Schueler pflegt hartnaeckig den „English course“ (also den Englisch-Kurs) als „English curse“ (den englischen Fluch) zu bezeichnen – jedenfalls hoffe ich sehr, dass er in Wirklichkeit „Kurs“ meint!

Sprache ist doch einfach zu drollig!